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Am 19. November 2011 findet der 9. Südasientag (SAT) an der Universität Hamburg statt. In diesem Jahr ist Pakistan das Partnerland der Veranstaltung. Am Vormittag erörtert eine Podiumsveranstaltung mit den Botschaftern der an SAARC beteiligten Staaten Südasiens die Probleme der ländlichen Entwicklung in den Ländern der Region. Die Podiumsdiskussion am Vormittag des 19. November 2011 ist dem Thema

"Ländliche Entwicklung - eine politische Schlüsselfrage für Südasien"

gewidmet und wird von Botschafter a.D. Dr. Hans-Georg Wieck moderiert werden. An der Podiumsdiskussion nehmen auch Wissenschaftler, Wirtschaftler und Journalisten teil. Auf der Podiumsveranstaltung soll über die politisch notwendigen Wege zur Überwindung der strukturellen Armut auf dem Lande gesprochen werden. Die Podiumsdiskussion soll durch achtminütige Eingangserklärungen der Botschafter aus .Afghanistan, Bangladesch, Bhutan, Indien, Nepal, Pakistan,Sri Lanka eingeleitet werden. Große Teile der ländlichen Gebiete Südasiens sind unterentwickelt. Viele Menschen finden dort keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder zu erwirtschaften. Landflucht ist die Folge. In den städtischen Slums der Mega-Städte bestehen jedoch kaum bessere Überlebenschancen. Ungeachtet einer Vielzahl staatlicher und internationaler Initiativen und Programme ist es in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht gelungen, die Armut und Perspektivlosigkeit auf dem Lande zu beseitigen. 80 Prozent der am Hungertuch Nagenden lebt auf dem Lande (Kleinbauern, landlose Landarbeiter, Fischer, Viehzüchter).In der Agenda 21 der Vereinten Nationen nimmt die ländliche Entwicklung - rural development - eine Schlüsselrolle ein. Welche Wege wurden bislang eingeschlagen? Welche neuen Wege können, müssen begangen werden Über die politisch notwendigen Wege zur Überwindung der strukturellen Armut auf dem Lande soll auf der Podiumsveranstaltung am Vormittag des 9. Südasientages der Universität Hamburg gesprochen werden.

Nachmittagsprogramm

"Kleidung und Mode in Südasien - im Wandel der Zeiten - zwischen Tradition und Moderne."

Sachverständige werden die Entwicklungslinien von Kleidung und Mode im Wandel der Zeiten, vor allem aber in der Gegenwart aufzeigen und dies am lebenden Modell darstellen. Die Kleidung spiegelt alle Aspekte einer Zivilisation wider und unterliegt bei viel Kontinuität auch dem ständigen Wandel: wie die Ordnung der Gesellschaft, des Staates, der Geschlechter zueinander und die Relevanz der Generationen, der Feiertage und Glaubensbekenntnisse für Gesellschaft, Familie, aber auch die des Staates und seiner Organ. Kleidung weist Berufsspezifisches und die Rücksichtnahme auf Wetter, Jahres- und Tageszeit aus. Besondere Anlässe prägen die Kleidung. Die Wahl der Kleidung orientiert sich auch am Anlass, an offiziellen wie an gesellschaftlichen und Familien bezogenen Ereignissen. Mit dem Phänomen der Mode geben wir der Kleidung zu den verschiedenen Anlässe eine besondere Note - im Wege des Zuschnitts, in der Wahl des Stoffes wie auch in der Farbkombination. Kleidung in Südasien ist farbenprächtig. Die in Hamburg tätigen Kulturgesellschaften der an SAARC beteiligten Länder werden einen Einblick in die Entwicklung der Mode in ihren Ländern vermitteln. Eine Schau von traditionellen Trachten und ihrer veränderten Formen begleitet die Beiträge der Ländervertreter.

Die Abendveranstaltung ist dem Tanz und der Musik Südasiens gewidmet.
Anlage zur Vormittagsveranstaltung des 9. Südasientages
Die ländliche Entwicklung in Südasien - Schlüsselfrage des Subkontinents

1. Die begrenzte Relevanz des "Trickle-Down-Effects" für die ländliche Entwicklung

Die meisten Regierungen in Südasien erwarten von dem gegenwärtigen meist rasanten Wachstum ihrer Volkswirtschaften positive Auswirkungen auf den ländlichen Raum und seine Bewohner ("Trickle-Down-Effect"). Diese Hoffnungen haben sich bislang nicht in dem erforderlichen Umfang erfüllt, auch wenn es heute. staatliche Direktzahlungen an die Gemeinden im Armutsgürtel gibt. An der Lage wird sich substantiell nichts ändern, es denn, die politischen Rahmenbedingungen werden in gewissem Umfang verändert. Die betroffene Bevölkerung muss unmittelbarer als bisher am politischen Entscheidungsprozess beteiligt werden. So lautet eine der Thesen, die in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit weltweit diskutiert werden. Im Wege von Subventionen werden schon seit langem Infrastrukturmaßnahmen gefördert, auch Bildungsmöglichkeiten verbessert und Einrichtungen der sozialen Sicherheit sowie eine subventionsbegünstigte landwirtschaftliche Produktion auf den ärmeren Böden geschaffen. Auch die internationale Staatengemeinschaft ist auf diesem Felde aktiv.

2. Welche anderen Wege müssten eingeschlagen werden?

Im Wege von Steuervergünstigungen könnten gewerbliche Investitionen in den Armutszonen des Landes gefördert werden, um industrielle und Dienstleistung gestützte Wertschöpfung auf dem Lande zu erreichen. In Isolierung können solche Maßnahmen, die zudem volkswirtschaftlich umstritten sind, kaum die erhoffte Wertschöpfung erbringen. Sie können nur als integraler Bestandteil eines regionalen Entwicklungsplanes zusammen mit Investitionen in Verkehrswege, Stromerzeugung, Soziale Strukturen und Bildungseinrichtungen nachhaltige Erfolge bringen. Die traditionellen Gegensätze zwischen den wenigen Großgrundbesitzern, in deren Händen in der Regel die jeweils ertragreichen Teile der landwirtschaftlichen Produktion liegen, und den mittellosen, die Mehrheit ausmachenden Bevölkerungseilen stellen die Realität dar, die mit ihren negativen sozialen Auswirkungen nur durch politische Reformen überwunden oder geändert werden kann Von entscheidender Bedeutung für die Durchsetzung der hier aufgezeigten zukunftsweisenden Investitionsprogramme wird es sein, die dazu erforderlichen politischen Voraussetzungen in den Ländern Südasiens zu schaffen. Nach Auffassung von Sachverständigen wird as allerdings politisch notwendig, ja unvermeidbar sein, das geltende, Wahlrecht zu revidieren, um die politische Teilhabe von Minderheiten wie den Adivasis, Dalits und Muslimen an der Macht und den Zuständigkeiten der Parlamenten verfassungsmäßig zu sichern. Darüber wird heute schon auf internationalen und nationalen Konferenzen in Südasien gesprochen (CERI - Campaign for Electoral Reforms in India; Dhaka-Konferenz 2008) In Südasien ist das Mehrheitswahlrecht die Praxis. Das System ist durch die Einführung der in vielen europäischen Staaten üblichen Zweitstimme zu ergänzen, die nach dem Verhältniswahlrecht ausgewertet werden müsste. Der Wähler hat die Wahl zwischen Listen politischer Parteien und solchen gesellschaftlicher Minderheiten wie den Adivasis, den Dalits oder den Muslimen. Auf diesem Wege können die politischen Machtverhältnisse in den Parlamenten und damit auch in den Regierungen bzw., der Opposition zugunsten einer wirkungsvollen Strategie für die volkswirtschaftlich notwendige Entwicklung der ländlichen Regionen geschaffen werden. Wahrscheinlich kann nur im Wege einer solchen politischen Reform in den Staaten Südasiens die strukturell bedingte Armut überwunden werden. Das ist mit dem in Indien derzeit angewendeten Prinzip der für Minderheiten-Vertreter reservierten Wahlkreise nicht möglich.

Berlin, April 2011
Dr. Hans-Georg Wieck
Botschafter a.D.

In diesem Jahr ist Pakistan das Partnerland der Veranstaltung.